Skifahren bei uns im Schnalstal ist fabelhaft, keine Frage. Doch nicht jeder mag's. Und nicht jede kann's. Und so manches Menschlein hat nach drei Tagen einfach genug von den zwei Brettern unter den Füßen. Doch lasst euch gesagt sein: Das Schnalstal ist für Nicht-Skifahrer eine wahre winterliche Wundertüte. Ich erzähle euch was: In meinen ersten 400 Jahren hat hier sowieso keiner Ski fahren können. Da sind die Schnolser zu Fuß gegangen. Im Sommer wie im Winter. Mit den „Genagelten“, wenn's nötig war. Oder mit der Rodel. Hat auch keiner gemeckert und manchmal war es sogar eine wahre Freude mit dem Schneewind um die Wette zu flitzen.
Jetzt reden alle vom „sanften Winter", als hätte man das gerade erst erfunden. Ich muss da schon schmunzeln. Bei uns war der Winter schon immer „stad und still“. Weil die Leute gar keine andere Wahl hatten. Sanft sein, das war hier Alltag, eine Lebenseinstellung, wenn ihr so wollt. Das Stillwerden im Winter war so etwas wie ein Naturgesetz. Und wie so manch anderes auch, hat sich das bis heute nicht geändert.
So leben die Scholser den sanften Winter heute
Nehmen wir zum Beispiel den Martin. Der führt jede Woche eine Schneeschuhwanderung, und wenn der losgeht, seid ihr in besten Händen. Martin hat die Wanderführer-Ausbildung, sitzt im Vorstand des Alpenvereines Südtirol, Sektion Schnals, und ist Wege-Pate. Seine Lieblingstour führt von Kurzras über das Lagauntal zur Bergl Alm. Die Natur dort ist so unberührt und ruhig, dass einem das Freudentränchen auf der apfelroten Wange gefriert. Auf eigene Faust wandert es sich natürlich auch wunderschön durch die Schnalser Schneelandschaft: Zieht euch warm an, leiht euch bei den Hofleuten „Grödeln“ aus und stampft gemütlich ins nächste Dorf und wieder zurück.
Eisig und wunderwunderschön ist ein Besuch in der Gletscherhöhle: Jedes Jahr schaut sie anders aus, habe ich mir sagen lassen: In tausend Tönen blau, grün und alles dazwischen schimmert das ewige Eis. Bergführer Robert Ciatti nimmt euch unter seine Fittiche und zeigt euch dieses Naturwunder.
Dann gibt's das Eisstockschießen. Das erklärte Ziel meiner Hofleute: Sie wollen den Wanderpokal zurück an den Oberraindlhof holen. Helft ihr ihnen dabei? Die Zeit auf Natureisbahn in der Sportzone in Unser Frau ist eine gesellige Angelegenheit voller Gaudi und Nostalgie. Bei flotter Musik, heißem Glühwein und gegen andere Gäste der Hotels im Tal wird “auf die numerierten Lattln” gezielt.
Und zum Schluss noch meine persönliche Empfehlung für einen sanften, stillen Winterurlaubstag im Schnalstal. Ich weiß wohl, das wird so manch einem schwerfallen. Aber die Natur macht es euch vor und die alten Schnolser waren Meister darin: Kommt zur Ruhe, legt die Füße hoch uns tut für ein paar Augenblicke rein gar nichts. Und wem das zu viel des Guten ist, der kann ja immer noch in die Sauna gehen oder bei einer Tasse Kakao mit Schlag den neuen Schnalstalkrimi von Lenz Koppelstätter verschlingen. Wäre das nach eurem Geschmack?
Stille Wintergrüße, euer Oberraindlhof.



