Sag mir, was du trinkst und ich sage dir, wer du bist! Bei meinen Hofleuten klappt die flüssige Persönlichkeitsanalyse ganz gut und ich will meinen linken Dachbalken verwetten, dass auch dein Lieblingswein dein Innerstes widerspiegelt. Bei Menschen und ihren Weinen kenne ich mich aus, wie kein anderer, das dürft ihr mir ruhig glauben. Heute lasse ich euch tief in die Gläser meiner Hofleute schauen. Fünf sind es, und jeder hat sein eigenes Tröpfchen, auf das er schwört.
Andrea und kein Etikettenschwindel
Als Andrea in die Familie Raffeiner kam, war sie in Sachen Wein noch sehr grün hinter den Ohren. Also griff sie zur Flasche mit dem schönsten Etikett. Man könnte das für unbedarft halten, doch die Andrea hatte ein glückliches Händchen. Ihre Wahl fiel auf den Chardonnay Lafoa von der Kellerei Schreckbichl, und der schmeckte ihr vom ersten Schluck an vorzüglich. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Es ist ein fruchtiger Wein mit Kraft und Eleganz, der seine Gärung im Barriquefass erlebt hat.
Elisabeth und ihr goldener Feierabend
Die Elisabeth ist meine Goldmarie. Für sie gibt es den Gewürztraminer Selida von der Kellerei Tramin, und zwar zu jedem Anlass und zu (fast) jeder Tages- und Nachtzeit. Der Wein hat keine Säure, dafür jede Menge Aroma, er ist fruchtig und würzig zugleich, und er leuchtet so golden im Glas, dass es eine helle Freude ist. Am allerliebsten trinkt ihn die Elisabeth nach getaner Arbeit. Zu welcher Uhrzeit das genau ist, das verrät sie mir mit einem Augenzwinkern lieber nicht.
Helmuth und die zehn Jahre Mittwoch
Beim Helmuth wird es beinahe eine Liebesgeschichte. Zehn Jahre lang kam an jedem freien Mittwoch der Manna von Franz Haas in sein Glas. Der Manna ist eine Cuvée aus Riesling, Chardonnay, Sauvignon, Kerner und Gewürztraminer, also aus allem, was gut und teuer ist. Er ist bestens ausbalanciert, hat ein vielfältiges Bukett und einen Körper, der zugleich kräftig, geschmeidig und ein wenig mineralisch daherkommt. Helmuth erzählt gern, dass Franz Haas diesen Wein seiner Frau gewidmet hat, weil er genauso kompliziert sei wie sie. Was seine eigene Frau Elisabeth dazu sagt, dürft ihr ihn selber fragen.
Patrick und der rote Charakterkopf
Beim Patrick wird es dann rot. Sein Herz schlägt für den Composition Reif vom Erbhof Unterganzner, der drüben in Kardaun bei Bozen zu Hause ist. Wer die Nase ins Glas hält, dem kommen dunkle Beeren entgegen, Kirschen und eine feine Spur von Gewürz. Im Mund hat dieser Wein Kraft und bleibt trotzdem im Gleichgewicht, die Gerbstoffe sind weich, und der Nachhall bleibt lange freundlich. Kurz gesagt: Das ist ein Wein mit Charakter.
Benjamin und der Wein im Jagdrucksack
Für Benjamin ist der Vernatsch vom Baron Widmann, leicht gekühlt, schlicht der beste Wein der Welt. Er passt zu fast jedem Gericht, macht Freude beim Trinken und wird auch nach dem dritten Glas nicht mühsam. In diesem Wein steckt ein gutes Stück Heimat. Kein Wunder also, dass der Vernatsch bei ihm zur Standardausrüstung gehört, wenn Benjamin auf die Jagd geht. Oben am Berg, bei einer guten Marende mit Speck, mit der Aussicht und der Ruhe ringsum, da braucht es für ihn nicht mehr als das.
Erste Adresse fürs Glas
Bei so unterschiedlichem Geschmack fragt ihr euch vielleicht, was diese fünf eigentlich eint. Ganz einfach: Bei mir wird der Wein nicht bloß getrunken, er wird zelebriert. In meinem Keller lagern über 450 Etiketten aus der alten Welt, mit einem Faible für Südtiroler Raritäten. Meine beiden Sommeliers Helmuth und Benjamin holen den passenden Tropfen dazu, und eingeschenkt wird in eine von fünfundzwanzig handverlesenen Karaffen. Seit 2024 gehöre ich zu den Vinum Hotels Südtirol, doch ehrlich gesagt bin ich schon viel länger die erste Weinadresse im Schnalstal.
Wer noch tiefer eintauchen möchte, dem lege ich meine Weinwochen ans Herz. Vom 07. bis zum 14. November 2026 verwandeln Helmuth und Benjamin meine Stuben in eine kleine Weinakademie, mit Verkostungen, Geschichten und dem einen oder anderen Schatz aus dem Keller. Die Plätze sind fast immer im Nu vergriffen, wer rechtzeitig dran ist, sichert sich pures Glück im Glas. Meine Wein- und Glaskultur zeigt euch, was euch erwartet.




