Das Schaf ist das Schnalser Wappentier. Nicht offiziell, aber im Herzen. Deshalb schäme ich mich ein kleines bisschen für dieses Geständnis: Am Oberraindlhof ist man reichlich spät aufs Schaf gekommen. Doch jetzt lodert sie, die Liebe zum Kulturgut auf vier wolligen Beinen und davon handelt auch diese Geschichte.
Ein Schaf zur Hochzeit
Ich alter Hof stehe hier seit 1581, und trotzdem hat es gedauert, bis das erste Schaf bei mir eingezogen ist. Uropa Anton hielt Ziegen, Kühe und Hühner, Schafe kamen ihm komischerweise nicht in den Sinn, obwohl kaum ein anderes Tier hier so eine lange Tradition hat. Dann heirateten Helmuth und Elisabeth, anno 1986. Der Nachbar schleppte ein Geschenk an und dieses Geschenk hatte vier Beine, zwei große Augen und einen besonderen Dickschädel. So kamen auch meine Hofleute aufs Schaf. Heute grasen meine Schafe die Wiesen rundherum ab. Gemääääht wird gründlich, dafür braucht es keinen Traktor. Und wenn ein Braten in den Ofen kommt, muss niemand fragen, wo das Fleisch herkommt. Ich finde: Wenn schon Fleisch am Teller, dann bitte so.
Schöpsernes, Lammbratl und Schnalser Nudeln
Das ganze Jahr über stehen bei mir das traditionelle Schöpserne, das Lammbratl und die Schnalser Nudeln mit Lammragout auf der Karte. Von der Karte nehmen könnten wir diese Klassiker nie. Sie haben sich in die Köpfe meiner Gäste gebrannt, und meine Gäste haben ein gutes Gedächtnis. An Feiertagen kommt der Braten im Kupfer-Pfandl auf den Tisch, es duftet durch die ganze Stube. Ein Teil des Fleisches wandert zum Metzger meines Vertrauens und kommt als Lammsalami zurück, die liegt beim Frühstück auf dem Brett und ist eine besondere Delikatesse.
Das Schnalser Schaf: Alpinist mit Ramsnase
Schaf ist nicht gleich Schaf: Schaut euch so ein Schnalser Schaf einmal in Ruhe an. Der Kopf ist rund und hornlos, die Nase kräftig gebogen, dazu diese Falten, die wie eine Denkerstirn aussehen. Das Wollkleid ist dicht und weiß. Und dann die Füße: Klein sind sie, hart und trittsicher. Und weil wir gerade bei den Berggeschichten sind: Der Mann aus dem Eis, den sie hier heroben gefunden haben, trug einen Lendenschurz aus Schafsleder.
Was Schnalser Schafwolle alles kann
Bei einem Schaf bleibt auch heute nichts übrig, was man nicht brauchen könnte. Die Wolle steckt bei mir in Dekokissen, Vorhängen und Tischsets, fürs Transhumanz-Zimmer wurde eigens angefertigt. Unten beim Service und an der Rezeption findet ihr Glasuntersetzer, Federmäppchen, Sitzkissen und einen Weinkühler aus Wolle.Im September, wenn im ganzen Tal die Spezialitätenwochen gefeiert werden, schenken meine Hofleute jedem Gast, der ein Schafgericht bestellt, einen Schlüsselanhänger aus Schnalser Schafwolle.
Und dann wäre da noch die Sache mit dem Lanolin, dem Wollwachs. Bei Schnupfen legen die Bäuerinnen die Wolle auf die Brust und schwören darauf. Es fördert die Durchblutung, dämpft Entzündungen, lindert die Schmerzen. Ob die Wissenschaft das so unterschreibt, weiß ich nicht. Meine Hofdamen schon. Wachs, Wolle oder Fleisch: Das Schnaler Schaf ist ein Geschenk des Himmels. Und Gottlob hatte der Nachbar damals eine bessere Idee als ein Kaffeeservice.




